3. Theater

+Beschreibung eines Kampfes+
von Franz Kafka
(2014)

bek kafka1

Und die Menschen gehen in Kleidern
schwankend auf dem Kies spazieren
unter diesem großen Himmel,
der von Hügeln in der Ferne
sich zu fernen Hügeln breitet.

Ein namenloser Erzähler verlässt mit seinem Bekannten eine Soirée und begibt sich auf einen Spaziergang durch das nächtliche Prag, auf den Laurenziberg. Vom Wunsch nach Einsamkeit wie der Sehnsucht nach Gesellschaft getrieben, verliert sich der Protagonist in Gesprächen und Reflexionen, die das Problem der Scheinidentität als Zwiespalt sichtbar werden lassen. Diese Textträger sind voneinander abhängig und bedingen einander, auf der Suche nach einer Form, in der sie existieren können, auf der Suche nach Körpern, dem Realen. Der Kampf der Ich-Erfindung, der mit Qual und Verletzung einhergeht, ist Aufstieg und Untergang, ist ein immer währender Widerstreit sich anziehender und abstoßender Kräfte – ein Kampf des Subjekts mit der Außenwelt, seinem gegenüber und sich selbst. Die Wunde in der Wunde ausfindig machen, um überhaupt bestehen zu können. Am Ende der langen Wanderschaft durch die Untiefen des Verstandes steht der reale Schmerz. Nur im Moment der Verletzung ist das Wirkliche fühlbar. Ein Augenblick der Freiheit.
Kafkas Fragment beschreibt nicht die Welt, es lässt Welten wie flüchtige Gedankengänge durch Worte entstehen und sogleich wieder vergehen. Der Wunsch nach Bestand findet keine Erfüllung, solange die Gedankenmaschine im selben Moment aufbaut und einreißt. Die Deformation der Wirklichkeit ist auch eine Dekonstruktion des Subjekts. Das durchscheinende Krisenbewusstsein der Jahrhundertwende zeigt Parallelen zur heutigen Zeit: Denn was ist das 21. Jahrhundert anderes als „eine Seekrankheit auf festem Lande“…?

Die Kollektive RegieAlsFaktor und Collectif L‘Homme révolté widmen sich gemeinsam der frühen Erzählung Beschreibung eines Kampfes von Franz Kafka. An der Schnittstelle von Literatur, Theater, Video und Performance schaffen sie einen Raum, in dem das Verhältnis von Realität und Imaginärem verhandelt wird und gehen dem Phänomen der Körperlichkeit auf den Grund.

Schauspiel/Performance:
Lisa Oertel, Anne Römeth, Clara Becker-Jostes

Bühnenbild/Raumkonzept: Lars Altemann, Kalas Liebfried, Stefan Natzel
Technische Assistenz: Jonaid Khodabakhshi
Musik: Kalas Liebfried (Komposition&Leitung, Piano/Gitarre/Schlagwerk),
Christina Rings (Geige/Schlagwerk),
Dominik Sedlmayr (Bass/Kontrabass)
Dramaturgieassistenz: Christina Rings
Dramaturgie: Ayna Steigerwald
Regieassistenz: Amelie Haller

Regie: Dominik Frank
Produktion: Dietmar Höss, Ayna Steigerwald

Eine Produktion des RATIONALTHEATER MÜNCHEN e.V.
in Zusammenarbeit mit:
RegieAlsFaktor & Collectif L’Homme révolté

+Ueber die Wupper+
Tragödie in einem Akt
(2013)

wupper screen

„Wenn hier Menschen zusammengeworfen sind (…), so sind sie nicht da, um zusammen ein realistisches Milieu zu bilden und einzeln an diesem Milieu zugrunde zu gehen oder zu erstarken. Je enger ihre Existenz, je dichter die Atmosphäre ihrer Abgeschlossenheit, desto tiefer und dunkler werden die Farben für ein kosmisches Gemälde.“ (Jhering)

Die Adaption des Else Lasker-Schüler Stoffs erfolgt mit der ersten Konsequenz, die Handlung auf einem festen Ort – eine Kneipe am Wupperufer – und einen Akt zu konzentrieren. Die kleine Welt von Arbeitern und Ganoven – die als Randnotiz der Geschichte verbleiben wird – verdichtet sich in einer Kapsel des Immergleichen und Wiederkehrenden. Ein sicherer Hafen, in dem die Nuancen der scheinbar homogenen Kaste der Unterschicht, nicht im Aufgehen gehindert werden. Die Mächte, die das Leben von außen bestimmen, flackern nur als ein Bild an der Wand oder als Floskel auf. Jeder der Charaktere versucht seine Bedeutung zu erlangen, seine Sicht vom Lauf der Dinge zu schildern. Die Reden von Arbeit, Berufung, Religion und Zukunft „tragen auf ihrer Unterseite eine andere Farbe“ (Jhering), sie selbst begegnen sich nicht, sondern ihre Ströme. Durch diese Verdichtung der Atmosphäre bleiben im Zuge der Überarbeitung nur die topischen und charakteristischen Rahmenbedingungen, nur Symbole und Fragmente, die aus dem Originaltext Else Lasker-Schuelers stammen. Diese zweite Konsequenz lässt den Fokus in Gänze auf dem Schlagen des Taktes jener „kleinen Erdkugel“ (Lasker-Schüler) verweilen, bis diese in ihrem Aufgehen und Steigern vollends in sich zusammenbricht.

mit:
Jasmin Plichta, Dominik Frank, Hw Mueller, Johanna Weiske, Tom Von Der Isar,
Stefan Natzel, Kalas Liebfried, Patrick-Philip Christa, Wolfgang Jelend

Buch und Regie: Lars Altemann
Assistenz: Carmen Schnitzler
Bühnenbild/Klang: Collectif L’Homme révolté

Eine Produktion des Collectif L’Homme révolte
in Zusammenarbeit mit dem Haus der kleinen Künste e.V.

Auszug als pdf > Ueber die Wupper – Auszug

+Hysmine und Hysminias+
Das Drama des Makrembolites
(2012)

hysmine screen

Hysmine: „Die Welt erscheint dir pervers – weil du sie nicht erfassen kannst.
Die Weiber willst du besitzen – doch Eros ist ihr Eigentümer. So hast du mich
erschaffen, als dein Eigentum. Und indem du mich jungfräulich erschaffen hast
– hast du mich tausendmal vergewaltigt. Pervers bist alleine du, weil du uns
in den Raum ohne Türen setzt. Makrambolites – – du – bist – vergessen.“

Der Schriftsteller Makrembolites versucht Kraft seiner Sprache eine seiner idealen Vorstellungen gemäßen Welt für die Ewigkeit zu errichten: Götter, Jungfrauen und Herolde, ehrbare Geschöpfe, die rein und edel sind („Wie unwahrscheinlich, dass ein dreckiger GEist solche Schönheit kennt.“) Er flüchtet sich in diese Sphäre, um der grausamen Härte der Realität zu entfliehen und um die nicht mehr einholbaren Begierden eines Greises – die Schönheit und Jugend beschwörend – aufblühen zu lassen. Doch auch dort wo er auf Grund der eigenen Schöpfung glaubt die Kontrolle über die Dinge zu besitzen muss er resignieren: seine Luftschlösser zerbrechen, seine eigenen Figuren richten sich gegen ihn auf und revoltieren gegen den Perversionen seiner Vorstellungskraft:

mit: 
Maximilian Pelz, Aline Mauch, Lars Altemann,
Stefan Natzel, Moritz Kienast, Sandra Zech,
Nadja Rothkirch, Jennifer Schwientek

Buch: Lars Altemann
Regie: Lars Altemann und Kalas Liebfried
Musik: Kalas Liebfried und Tonio Bauer
Fotografie: Valentin Winhart

Eine Produktion des Collectif L’Homme révolté
in Zusammenarbeit mit der Sudiobühne twm

Auszug als pdf > Hysmine und Hysminias – Auszug

Aufzeichnung: https://vimeo.com/83375164
Presse: http://theatertogo.wordpress.com/2012/05/30/hysmine-und-hysminias-lars-keke-altemann-kalas-liebfried/

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